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nde einer Gruppierung:
Die Ähnlichkeit von Folgen kleiner Notenwerte mit punktierten Gruppen wird durch die in beiden Fällen gültige Anweisung bestätigt, dass die einzige Silbe, die zu einer solchen Gruppe gehört, auch auf die nachfolgende, längere Note ausgehalten
werden soll. Der Zusatz fehlt bei keinem Theoretiker [157], aber auch hierzu gibt es Ausnahmen und Erweiterungen. So kann dem längeren Ton »per bisogno« [158] oder in Kadenzen [159] eine Silbe zugeteilt werden. Die Ausnahme wird geradezu erzwungen, wenn der letzte Ton der Folge und die erste längere Note dieselbe Tonhöhe haben [160]. Manchmal wird allerdings nicht nur auf den ersten,
sondern auch auf den zweiten folgenden längeren Ton noch keine neue Silbe gesungen, damit die Silbe auf einen schweren Taktteil zu stehen kommt [161] oder die vorher schnelle Bewegung langsam auslaufen kann [162]. Stocker begründet alle Regeln, die sich mit kleinen Notenwerten befassen, damit, dass schnelle Abfolgen von silbentragenden Tönen die Textverständlichkeit beeinträchtigen. Deshalb sollen schnelle Noten keine Silben tragen,
langsame Noten dagegen verlangen sie. Bezugspunkt für die Länge ist immer der Abstand zum Einsatz des vorhergehenden Tons; deshalb trägt der erste Ton einer schnellen Folge - bemessen nach seinem langsamen Vorgänger - eine Silbe, die erste längere
Note nach der Folge dagegen nicht [163]. Wenn Semiminimen de facto die Funktion von Minimen haben [164], dann werden sie bei der Textunterlegung behandelt, wie es die Regeln für Minimen festlegen [165]. Der Notenwert allein macht demnach keine Aussage über die Länge eines Tones; die Einheiten sind austauschbar, aber die Relationen bleiben bestehen.
Ox, f. 7v
Unterteilung einer Gruppierung:
Manchmal wird Gruppen von je zwei oder vier kleineren Notenwerten, die zusammengenommen den Wert einer »selbständigen« Note repräsentieren, eine Silbe zugeteilt, die dem ersten Ton dieser Kleingruppe unterlegt wird [166]. Stocker ordnet diese Spezifizierung der älteren Komponistengeneration zu. Sie scheint allerdings nicht von ihm zu stammen, denn auch Luchini deutet sie an, und man geht davon aus, dass er Stockers Traktat nicht kannte [167]. Die erste Note eines solchen Paares oder Quartetts sollte jeweils auf der Zählzeit stehen; sie gilt als Hauptnote und die anderen als angebunden [168]. Stellt gewöhnlich die Minima den kleinsten Notenwert
dar, der für sich eine Silbe tragen darf, so wird mit dieser Regel die Möglichkeit angedeutet, kleinere Werte in Gruppen zusammenzufassen, falls zwar genügend Noten vorhanden sind, aber die Zahl derjenigen, die Silben tragen dürfen, für den Text
nicht ausreicht [169].
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