Ox, f. 7v
Zusammenfassung
Dem Herausgeber von Renaissancemusik stellt sich das Problem, Vokalkompositionen den Text angemessen zu unterlegen. Er kann sich dabei an Hinweisen in den musikalischen Quellen und im musiktheoretischen Schrifttum orientieren. Die recht griffigen
Regeln der Musiktheoretiker zur Textunterlegung stammen größtenteils aus dem 16. Jahrhundert. Ihre bedingungslose Anwendbarkeit auf ältere Musik ist zu hinterfragen. In sorgfältig notierten Musikhandschriften aus dem 15. Jahrhundert haben Praktiker
Angaben hinterlassen, wie der Text zeitgenössischen Kompositionen zu unterlegen ist.
Die vorliegende Studie referiert das Regelsystem des 16. Jahrhunderts anhand der wichtigsten theoretischen Quellen (Kapitel 2). Sie untersucht sodann die geistlichen Vokalkompositionen der Handschrift Oxford, Bodleian
Library, MS. Canonici misc. 213 aus dem frühen 15. Jahrhundert mit Methoden der Textkritik auf Hinweise zur Textunterlegung (Kapitel 3). Mit den gewonnenen Erkenntnissen wird abschließend versucht, das editorische
Problem »Textunterlegung in der Musik der Renaissance« einer Lösung zuzuführen (Kapitel 4).
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